wie ein brief, das man heute nicht mehr schreibt

wie ein leben, das man heute nicht mehr fuehrt.

symmetrisch, (ent)spannend, maerchenhaft, rein, lebendig und doch so still. einzigartig.

die einzigartigkeit des filmes besteht erstens darin, dass es so eine struktur aufweist, wie es kein anderes film wagt. es ist ein monolog – wie es der hauptdarsteller und einzige darsteller – auch zugesteht. ein monolog im zeitalter der dialoge, ein brief im zeitalter der e-mails, ein „unbuntes” film im zeitalter der farben, ein film von der rueckkehr zur natur im zeitalter der abkehr von der natur.

eine welt, von der heute fast keiner mehr weiss, ein leben, das heute fast keiner mehr fuehrt, traditionen, von denen heute fast alle vergessen haben, gefuehle, die sich heute kaum einer mehr zu gestehen vermag – nicht einmal zu sich selber.

ein maerchen von mensch und tier, von mann und frau, von vergessen und erinnerung, von gleichgueltigkeit und gefuehl.

eine (perfekte) symmetrie, die ab und zu „gestoert” wird, das aber trotzdem nicht stoerend wirkt, eine (perfekt) runde geschichte, die ab und zu in ihrer vollkommenheit „gestoert” wird.

es ist ein leben fast ohne anfang und ende. die wurzeln dieses lebens stecken irgendwo tief unter der erde vergraben und haben sich inzwischen so weit ausgestreckt, dass heute keiner mehr ihren ursprung zu finden vermag. die erde der wueste ist jedoch trocken und birgt dieses mal keinen brunnen in sich (so wie es bei exupery`s wueste der fall ist). die einst kraeftigen wurzeln verlieren an kraft. sie brauchen wasser. sie aehneln nun einem jeden von uns, der zu vieles gesehen hat. ein leben eines aussenstehenden betrachters, der sich nie einzumischen wagt.

es ist so, als ob du alles sehen wuerdest, dich aber nicht traust, es anzufassen. du traust dich nicht einmal naeher zu kommen, aus angst diese perfekte harmonie (als ob die harmonie auch anders sein koennte) und ausgeglichenheit zu (zer)stoeren. am liebsten wuerdest du sie unter einer glaskugel (ver)stecken, so dass sie nicht einmal der zaertlichste windhauch aus ihrem traum weckt. dann koenntest du sie fuer immer fuer dich behalten, so wie eine glaskugel mit schnee, die man zu weihnachten bekommt. aber dann haette diese welt wohl keine luft mehr, und du, der du sie am meisten zu beschuetzen suchst, wuerdest sie ihrem ende nahe bringen. das willst du doch nicht, oder?

teil diese welt mit allen, so dass sich so viele wie du dieser stille und lebendigkeit erfreuen koennen.

so etwas waere zu schade nur fuer dich allein.

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ashes and snow (USA, 2005, documentary)

* directed by gregory colbert

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